Die einstige Hafenstadt Qalhat

Von der Größe der Hafenstadt zeugt heute nur noch die Ruine der Moschee Bibi Mariyam, die wohl im 14. Jahrhundert entstand. Der oktogonale Ansatz der eingestürzten Kuppel, die Außenmauern des kubischen Zentralbaus und Wandnischen mit Stukkaturen sind noch vergleichsweise gut erhalten. Ansonsten  ist das Areal ein riesiges Trümmerfeld. Nur an wenigen anderen Stellen sind ebenfalls noch spärliche Mauer- oder Zisternenfragmente zu entdecken.

Der Boden ist heute übersät mit Scherben und Brocken von Hirnkorallen, dem meistverwendeten Baumaterial. Was tatsächlich alles unter dieser gigantischen Schutthalde verborgen liegt, entzieht sich noch immer weitgehend unserer Kenntnis. Seit wenigen Jahren arbeitet jedoch ein französisches Archäologenteam intensiv an der Ausgrabung der markantesten Bauwerke. Was sie bisher zutage förderten bestätigt die blumigen Ausführungen aus historischer Zeit. Die große Moschee nahe der Küste war offenbar sehr groß und tatsächlich mit farbenprächtigen Kacheln ausgeschmückt; es gab auch ein großes Gebäude für die Verarbeitung von Fisch für den Export. Die Grundrisse der Häuser sind inzwischen alle lokalisiert und in einem Stadtplan erfasst. Sogar die ursprüngliche Geschosshöhe der Gebäude konnte weitgehend ermittelt werden. Solange die Grabungen auf dem Gelände anhalten, ist dieses für Besucher in der Regel gesperrt, denn jedes noch so wertlos scheinende Fragment könnte ein wichtiges Teil im archäologischen Puzzle sein.

Der desolate Zustand Qalhats hat im wesentlichen zwei Ursachen. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts erlebte die Stadt ein schweres Erdbeben, wobei Teile des Hafens verschüttet und zahlreiche Häuser zerstört wurden. Als der portugiesische General Albuquerque auf seinen Erkundungs- und Eroberungsfahrten 1507 Qalhat erreichte, war der Wiederaufbau zwar noch nicht wieder ganz abgeschlossen, Schönheit und Reichtum der Stadt müssen aber äußerst eindrucksvoll gewesen sein. Qalhat ergab sich Albuquerque kampflos und wurde dafür zunächst von weiterer Zerstörung verschont. Doch bereits im folgenden Jahr hat Albuquerque seine Meinung geändert, kehrte zurück und verwandelte die blühende Hafenmetropole, deren Stadtmauern vom Erdbeben noch nicht gänzlich repariert waren, in einen Trümmerhaufen.