Khareef - Monsun in der Wüste

Ein sehr besonderes Erlebnis stellt ein Besuch Omans im Hochsommer dar, die Sonne brennt senkrecht hernieder und verwandelt die dunklen Felsen Muscats in Backöfen, die Tag und Nacht glühen. Die Temperaturen sinken auch in der tiefsten Finsternis nicht unter vierzig Grad Celsius. Die hohe Luftfeuchtigkeit tut ein Übriges, den Gast aus gemäßigten Breiten an seinem Entschluss zweifeln zu lassen gerade in dieser Zeit nach Oman gereist zu sein. Aber: da sind die Omanis, die einen ständig zu dem Entschluss beglückwünschen. Denn in Salalah sei bestes Wetter. Es sei kühl und regne.

Das "arabische Paradies"

Tatsächlich herrscht an der Südküste Omans während der vom Monsun beeinflussten Monate Juli bis September Hochbetrieb. Es ist die Zeit des khareef. Fährt man aus der Stadt in die Berge, ist man innerhalb nur weniger hundert Meter umhüllt von dichtem Nebel und Nieselregen; grüne Berge zeichnen sich schemenhaft ab, hin und wieder auch die Silhouette eines Kamels oder einer Kuh. Nur sehr langsam geht es mit eingeschalteter Warnblinkanlage und Lichthupe die Pässe hinauf und herab. In den Wadis und auf den ergrünten Ebenen sitzen unzählige Touristen aus den Golfstaaten freudestrahlend auf Decken im Nieselregen und grillen - sie machen Urlaub in »ihrem« Paradies. Im Meer herrscht strengstes Badeverbot - die meterhohen Wellen sprechen für sich warum.

Etwa eine halbe Million Touristen aus den benachbarten Golfstaaten kommen zwischen Juni und August nach Salalah, um dort den heißesten Wochen des Jahres in ihren Heimatländern zu entkommen. Denn hier wird es nie wärmer als 30° Celsius, 100% Luftfeuchte garantieren, dass kein direkter Sonnenstrahl bis zur Erde dringt. Die meisten von ihnen kommen mit Sonderflügen, etliche legen die weite Strecke mit dem Auto zurück und müssen sich dann kurz vor dem Ziel durch den für sie ungewohnten Nebel kämpfen. Ein nicht zu unterschätzendes Verkehrsrisiko.