Die Staatsentwicklung

Als Sultan Qaboos 1970 die Macht übernahm, galt Oman als eines der rückständigsten Länder der Welt. Dank gezielter Investitionen der Einnahmen aus dem Erdölgeschäft konnte sich das Land jedoch innerhalb weniger Jahre zu einem vorbildlichen modernen Staat entwickeln.

Einige Beispiele sollen die Dimension dieses für ein Entwicklungsland einzigartigen Kraftaktes veranschaulichen: 1970 gab es in ganz Oman nur eine Teerstraße, weniger als zehn Kilometer lang. Heute umfasst das Verkehrsnetz im Sultanat über 31.000 Kilometer Asphaltstraßen. Die reitenden Boten wurden durch eines der modernsten Telefonnetze der Welt ersetzt. Das Postwesen ist landesweit ausgebaut und funktioniert schnell und zuverlässig. Die einzige 1970 erwähnenswerte Krankenstation in Muttrah ist einem flächendeckenden Gesundheitssystem mit 65 Krankenhäusern und einer Vielzahl von Polikliniken und  Privatkliniken gewichen. Die medizinische Betreuung erreicht heute 90 Prozent der Bevölkerung. Aus den ursprünglich drei Knabenschulen sind inzwischen über 1.500 Einrichtungen geworden, an denen Jungen und Mädchen unterrichtet werden.

Der „Bericht über die menschliche Entwicklung“ der Vereinten Nationen vom Oktober 2010 plazierte das Sultanat Oman auf Rang Eins der Länder mit den raschesten Fortschritten im Zeitraum zwischen 1970 und 2010.

Die anfängliche Konzentration des ›Fortschritts‹ auf den Raum Muscat verschonte den Rest des Sultanats von den unmittelbaren negativen Folgen dieses Entwicklungssprungs. Der Kulturschock blieb aus. Zwar lebt man heute auch im Landesinneren nicht mehr wie im Mittelalter und fährt Geländewagen, statt auf dem Kamel zu reiten, aber man hat sich den Lebensrhythmus und die kulturelle Eigenart bewahrt. Tradition und Moderne haben im Land zueinander gefunden.